Solidarische Landwirtschaft

Am 22. Januar war ich in Berlin auf der Fachtagung des Netzwerks Solidarische Landwirtschaft. Mit dem Konzept der gemeinschaftsgetragenen Landwirtschaft soll eine Gegenströmung zur industriellen und subventionsgesteuerten Landwirtschaft gesetzt werden. Im Einführungsvortrag zitiert Ursula Hudson, Präsidentin von Slowfood Deutschland, aus einem Bericht der FAO (Welternährungsorganisation): „Die industrielle Landwirtschaft wird noch 50 Ernten hervorbringen, dann sind die Böden und natürlichen Ressourcen erschöpft.“ Die Zahl hat mich erschreckt. Das bedeutet, dass, wenn wir so weiter machen, in 50 Jahren die Nahrungsmittelerzeugung zusammenbricht und die Ernährung aller Menschen nicht mehr gesichert ist.

Die Grundidee der solidarischen Landwirtschaft dagegen ist, dass ein oder mehrere Höfe eine Gruppe von Verbrauchern aus ihrer Region versorgen. Die Verbrauchergemeinschaft stellt die notwendigen finanziellen Mittel für Betriebsmittel, Löhne, Pacht und Maschinen zur Verfügung, bezahlen also den Produktionsprozess und nicht das einzelne Lebensmittel. Durch die Übernahme von Risiko und Verantwortung entstehen Solidarität und Wertschätzung zwischen Landwirt und Verbrauchern und ein verlässliches und längerfristiges Verhältnis. Diese Zusammenarbeit führt dazu, dass die Landwirte nicht mehr dem globalen Konkurrenzdruck ausgeliefert sind, dass sie hochwertige Lebensmittel erzeugen, den Boden pflegen und die biologische Vielfalt erhalten können. Transportkosten und Klimabelastung sind geringer. Und die Verbraucher bekommen wieder einen Bezug zu regionalen und saisonalen Lebensmitteln.

Darüber hinaus können die Mitglieder der Gemeinschaften auch untereinander solidarisch sein: In vielen Vereinen finden sogenannte „Bieterrunden“ statt. Stehen die Produktionskosten fest, gibt jedes Mitglied ein Gebot über seinen Jahresbeitrag ab und kann damit den Beitrag selbst nach der eigenen finanziellen Situation festlegen. So können auch Mitglieder mit geringeren finanziellen Mitteln an der SoLaWi teilhaben.

In der Regel sind die SoLaWi-Vereine mehr als nur Zweckgemeinschaften. Häufig entstehen soziale Gemeinschaften. Mitglieder leisten Arbeitseinsätze, organisieren Fortbildungen, gemeinsames Kochen und Feste.

Klingt gut, oder? In Deutschland gibt es im Moment 267 SoLaWi-Vereine, die sich vor allem in der Nähe von größeren Städten befinden. Die 49 aktuellen Gründungsinitiatien zeigen einen klaren Trend. Um diese Bewegung zu begleiten wünscht sich das Netzwerk größere politische Anerkennung und finanzielle Unterstützung. Immerhin steht die Förderung der solidarischen Landwirtschaft im Koalitionsvertrag der Regierung! Leider ist es bis jetzt noch nicht gelungen, daraus auch Konkretes abzuleiten.

Klar ist, dass wir einen Wandel in der Lebensproduktion brauchen, um unsere natürlichen Ressourcen und das Klima und damit eine sichere und friedliche Zukunft zu erhalten. Die solidarischen Landwirtschaft trägt dazu bei.

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